Autorin

Eva Matis, Ortschronistin
Stand: 04.02.2010
Tel. 033845/40101
E-Mail: siehe Impressum

Danksagung

Mehr als zehn Jahre wurde Schrift- und Bildmaterial zur fast 100jährigen Geschichte von Borkwalde zusammengetragen. Dabei lag mir besonders die nicht (mehr) bekannte schwierige Entstehungs- und Besiedlungzeit ab 1912 am Herzen. Bemüht, aus diesem am weitesten zurückliegenden Zeitabschnitt möglichst viele Unterlagen und Bilder zu erhalten, können heute anhand des vorliegenden Materials geschichtliche Bruchstücke zu einem vollständigen Bild zusammengefügt werden.
Zum einen ist das verschiedenen Archiven zu verdanken, zum anderen in hohem Maße den Nachkommen der unten genannten Ortsgründer, die - obwohl sie in Borkwalde zum Teil nicht willkommen geheißen wurden - aus ihrem Privatbesitz Dokumente, Daten, Siedlungspläne und Bilder zur Verfügung stellten, ohne die Archivarbeit wenig erfolgreich gewesen wäre.
Bereitwillig und mit Freundlichkeit überließen sie uns Borkwaldern und kommenden Generationen bemerkenswertes Material, das in keinem Archiv zu finden ist. Mein besonderer Dank gilt daher Familie Dahm, Familie Sommerfeld, Familie Justen, Familie Stoof und Familie Queck.
Auch Personen, die als Kinder in den 20er, 30er und 40er Jahren hier aufwuchsen, waren sehr hilfsbereit, stellten Unterlagen und zahlreich Bilder zur Verfügung. Ich danke den Familien Stiehler, Töpfer , Albrecht, Hindrichs sowie Frau Kohlhoff, Frau Schupe, Frau Lesmeister, Frau Drazba, Herrn Kosczol und Herrn Wulkow.
Mein besonderer Dank gilt Frau Hofmann, Frau Ehmeg und Herrn Käding, die mich mit Freundlichkeit, ihrem außerordentlich guten Gedächtnis und enormen Wissen seit Jahren bei der geschichtlichen Aufarbeitung der Gründungszeit von Borkwalde begleiten. Ihre lustigen wie traurigen Geschichten und skurrilen Anekdoten bereiteten mir manch'' vergnügliche Stunde.
Unterstützung erhielt ich auch von Frau Österwitz, Herrn Finger, Frau Niederland, Frau Niedergesäß, Herrn Ritterbusch, Herrn Devrient und anderen.

Die Besiedlung von Borkwalde

Borkwalde entstand aus dem Verkauf von Wäldern, die Kaniner und Busendorfer Großbauern gehörten. Es gibt dabei kaum einen Zusammenhang mit der Entstehung von Borkheide.
Die Besiedlung von Borkwalde begann ab 1912 mit der »Colonie Borkwalde«, die später in »Bredereckschen Siedlung« umbenannt wurde. Von dieser ersten Kolonie erhielt unser Ort am 29. Januar 1932 seinen Namen, als die drei Waldsiedlungen
a) Brederecksche Siedlung (frühere Colonie Borkwalde)
b) Willmannsche Siedlung und
c) Siedlung Wochenende (frühere Colonie in den Saalbergen)
zur Siedlung Borkwalde zusammengefügt wurden. Fälschlicherweise ging man bis vor einiger Zeit davon aus, dass der »Grundbesitzer-Verein Siedlung Wochenende e. V.«, der 1932 in »Grundbesitzer-Verein Borkwalde e.V.« umbenannt wurde, für die Namensgebung des Ortes verantwortlich sei und dass die Siedlung Borkwalde 1932 Gemeinde wurde. Das Jahr 1932 wurde daher als Gründungsjahr des Ortes angesehen.
Tatsächlich blieb die Siedlung Borkwalde bis 1945 weiterhin Ortsteil von Kanin und Busendorf und der »Grundbesitzer-Verein Siedlung Wochenende« erhielt seinen neuen Namen »Grundbesitzer-Verein Borkwalde« erst nach dem Zusammenschluss der drei genannten Siedlungen zu dem Ort Borkwalde. Aufgrund der Tatsache, dass bereits unsere erste Ansiedlung 1912 den Namen »Colonie Borkwalde« trug, archivierte Unterlagen und ein Siedlungsplan das auch belegen, wurde im Dezember 2009 von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, das Gründungsdatum von Borkwalde von 1932 auf 1912 zu ändern.
Heute bezeichnet man das ehemalige Gebiet a) und b) als Alt-Borkwalde; das Gebiet c) gehört nicht dazu, sondern in großen Teilen zu Borkwalde-Mitte mit dem Ortszentrum.
Die erste Siedlung »Colonie Borkwalde« wurde 1912 von dem Berliner Justizrat August Ferdinand Louis Bredereck gegründet. Ihm zur Seite standen seine Söhne und der spätere Schwiegervater seines Sohnes Botho, der Ingenieur Karl Götting. Ihre Pläne, zusammen mit einem bedeutende n Brandenburger Großunternehmer ein Fabrikgelände und eine Wohnsiedlung nebeneinander entstehen zu lassen, platzen durch die Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
Die zweite und größte Kolonie wurde ab 1925 besiedelt. Ihr voraus ging die Geschichte der 1922 in Berlin gegründeten und 1944 liquidierten Bork-Boden Aktiengesellschaft. Diese AG kaufte u. a. einen Bauernwald in der Gemarkung Kanin, wirtschaftete drei Jahre damit und verkaufte ihn mit hohen Hypotheken belastet im November 1925 an den Gutsbesitzer J. Westphal und seinen Schwager W. Sternberg. Diese hatten zuvor den »Bund für Sonnabendmittagsschluß e. V.« gegründet, der als »Wochenendbund e. V.« ins Vereinsregister eingetragen wurde.
Das neu aufgeforstete Waldareal wurde parzelliert an die Siedler verkauft und erhielt den Namen »Colonie in/an den Saalbergen«, einige Zeit später den Namen »Siedlung Wochenende« - »altes Gelände«. Die Siedlung reichte von der Goethestraße bis zur heutigen Kiefern- und Birkenstraße, einschließlich der etwas später entstandenen Assmannsiedlung (die zuerst anders hieß) und dem heutigen Neubaugebiet.
Komplett wurde die Kolonie, als zehn Monate später ein weiterer Bauernwald in der Gemarkung Busendorf hinzukam, der von den Siedlern »Neues Gelände« genannt wurde (auf Höhe des Haderlandstiegs und einiger anderer Straßenteilstücke). Dieses Gelände wurde ursprünglich ebenfalls vom »Wochenendbund e. V.« gekauft. Die Kredit gebende Bank witterte das große Geschäft und übernahm nach kurzer Zeit selbst die Vermarktung. Als Folge der Weltwirtschaftskrise ging sie pleite und als Konkursmasse an eine andere Bank, sodass die Zwangsversteigerung des »Neuen Geländes« drohte.
Um diese abzuwenden und die Siedler vor dem Verlust ihrer Grundstücke zu bewahren, kaufte es der Vorsitzende des Siedlerausschusses der »Siedlung Wochenende« und gleichzeitige Direktor einer großen Versicherungsgesellschaft Heinrich Justen, der in dem »Neuen Gelände« selbst ein großes Grundstück besaß. Seinem enormen ehrenamtlichen Engagement und dem von Paul Albrecht ist es zu verdanken, dass die Siedlungen in den Jahren danach lebens- und überlebensfähig wurden und Borkwalde 1945 bzw. 1952 eine eigenständige Gemeinde werden konnte.
Beide setzten sich im Interesse der Siedler auch erfolgreich zur Wehr, als nach Gründung eines weiteren Siedlervereins (»Bork Wochenende e. V.«) dessen Vorsitzender (und einige seiner Anhänger) versuchten, die Verfügungsgewalt über die Siedlungen zu erhalten. Sie schreckten dabei weder vor Lügen und Diffamierungen zurück noch vor Verleumdungen und Rufmordkampagnen. Der Vorsitzende des Siedlervereins »Bork Wochenende e. V.« verlegte in späteren Jahren sein Tätigkeitsfeld, wurde überzeugter Nationalsozialist und NSDAP-Gruppenleiter. Durch seine Meldungen an die Gestapo war er für Verhaftungen und Deportationen verantwortlich und für den Tod von Borkwalder Einwohner.
Als kurz nach Gründung der vorgenannten Kolonie von der aus Busendorf stammenden Else Anna Willmann und ihrem Mann (einem der Willmann-Brüder aus Klaistow) unterhalb der »Colonie Borkwalde« die »Willmannsche Siedlung« als dritte im Bunde gegründet wurde, war die Erstbesiedlung von Borkwalde komplett.
Die Siedlungen wuchsen, wurden lebensfähig, überstanden den Zweiten Weltkrieg und die russische Besatzungsmacht mit ihrem großen Hang zu Enteignungen. Gleichzeitig kamen viele Vertriebene und Flüchtlinge, die sich in Borkwalde niederließen und eine neue Heimat fanden. Borkwalde, wie es einmal war, wurde Geschichte und mit der Gründung der DDR brach eine ganz neue Ära an.
Wie in den Gründungsjahren ist Borkwalde heute ein Land der bunt Gemischten. Bei allen Schwierigkeiten, die diese Tatsache früher wie heute mit sich bringt, sollte jeder Einwohner bemüht sein, wie im gleich lautenden Gedicht anderen tolerant die Hand zu reichen. Seien wir stolz auf unsere Gemeinschaft, auf unseren Ort und darauf, in einem Waldgebiet wohnen zu können. Seien wir unseren Kindern ein Vorbild für faires Miteinander, so dass wir sagen können: Wir wohnen in Borkwalde und das ist gut so.

Im Land der Buntgemischten

Im Land der Blaukarierten sind alle blau kariert.
Doch wenn ein Rotgefleckter sich dort 'mal hin verirrt,
dann rufen Blaukarierte: Der passt zu uns doch nicht!
Der soll von hier verschwinden, der rot gefleckte Wicht.

Im Land der Rotgefleckten sind alle rot gefleckt.
Doch wird ein Grüngestreifter in diesem Land entdeckt,
dann rufen Rotgefleckte: Der passt zu uns doch nicht!
Der soll von hier verschwinden, der grüngestreifte Wicht.

Im Land der Grüngestreiften sind alle grün gestreift.
Doch wenn ein Blaukarierter so etwas nicht begreift,
dann rufen Grüngestreifte: Der passt zu uns doch nicht!
Der soll von hier verschwinden, der blaukarierte Wicht.

Im Land der Buntgemischten sind alle buntgemischt.
Und wenn ein Gelbgetupfter dies bunte Land auffrischt,
dann rufen Buntgemischte: Willkommen hier im Land!
Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand.

Nachwort

Die Entstehung und Besiedlung von Borkwalde war so kompliziert wie spannend.
Aus den zusammengetragenen Unterlagen, Dokumenten und Bildern wird eine neue Gemeindechronik in mehreren Bänden erstellt. Sie wird nach Fertigstellung zu bestimmten Anlässen ausgestellt, z. B. an der 100-Jahr-Feier im Jahre 2012.
Da diese Originalchronik nicht ausgeliehen werden kann, entsteht derzeit das Manuskript eines Buches über die Entstehung und Besiedlung von Borkwalde (1910 bis zur Gründung der DDR). Buchtitel und Verkaufstermin werden rechtzeitig auf den Gemeindeseiten und anderweitig bekannt gegeben.